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Freitag, 16. März 2012

Ann Aguirre - Die Enklave


Autor/in: Ann Aguirre
Verlag: Blanvalet
Ausgabe: Kindle Edition
Preis: 10,99 €

Kurzbeschreibung:
Aus den Trümmern der Welt erblüht eine unsterbliche Liebe...
New York wurde in einem längst vergessenen Krieg zerstört. Die Oberfläche ist durch Säureregen und glühende Hitze unbewohnbar geworden. In den U-Bahn-Tunneln der Stadt leben die junge Jägerin Zwei und ihr Partner Bleich, die sich Tag für Tag bemühen, genug Nahrung für ihren Stamm zu erlegen. Da wird Zwei an die Oberfläche verbannt. Ein sicheres Todesurteil! Darum kann sie kaum glauben, dass Bleich beschließt, sie zu begleiten. Doch der würde alles tun, um Zwei nicht zu verlieren … (Quelle: www.blanvalet.de)

Eigene Meinung:
Die Enklave. Diesen Roman bekam ich eher durch Zufall, nämlich durch einen ausgeliehenen Kindle, in die Hand und jetzt, als ich die Rezension schreiben möchte und dafür zunächst die Kurzbeschreibung herausgesucht habe, bin ich richtig froh, dass ich diese gar nicht erst gelesen habe.
Kurzbeschreibungen sind meines Erachtens sehr wichtig, schließlich sollen sie den potenziellen Leser locken und ihm einen Eindruck über das Geschehen der Geschichte geben - übertriebene Intro's sowie weit ausgreifende Spoiler finde ich jedoch fehl am Platz. Leider ist hier beides der Fall; dazu aber später.
Die Idee in Die Enklave ist keine neue, sondern eher eine gute Mischung + x aus bereits bestehenden Stories, was ich allerdings nicht als störend empfunden habe, da es zwar Parallelen zu anderen, bekannten Endzeit-Geschichten gibt, jedoch nie ein "Das ist aus dem und dem Film/Buch" - Effekt entstand. Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr und in den Trümmern der Städte und UBahn-Tunnel treiben fleischfressende Mutationen, sogenannte Freaks, ihr Unwesen. Die wenigen Überlebenden verstecken sich in Gemeinschaften, den Enklaven, im Untergrund, denn die Ältesten berichten von ätzenden Säureregen und einer alles Leben vernichtende Hitze an der Oberfläche. Der Alltag schreibt Bewohnern strikte Regeln vor, deren Verstoß in den meisten Fällen mit einer Verbannung aus der Gemeinschaft bestraft wird. So dürfen sich beispielsweise nur ausgewählte Personen fortpflanzen, welche der Arbeitsgruppe Zeuger zugeordnet sind und denen gleichzeitig vorgeschrieben wird, wie viele Nachkommen in welcher Zeit 'eingeplant' werden.
Protagonistin und Erzählerin der Story ist ein ehrgeiziges, junges Mädchen, welches durch die Regeln und Denkweisen ihrer Enklave bestimmt, eine für den Leser zuerst fremde Gefühlskälte und simple Gedankenstruktur an den Tag legt. Gleich zu Beginn wird sie einem schmerzhaften Ritual unterzogen, wodurch sie zum einen in die Arbeitsgruppe der Jäger aufgenommen und gleichzeitig mit einem eigenen Namen versehen wird, denn auf Grund einer sehr hohen Sterblichkeitsrate in jungen Jahren werden sämtliche Bewohner der Gemeinschaft bis zu ihrem Namensgebungritual nur mit ihrer Geburtennummer angesprochen. Da die Auswahl durch Gegenstände des alltäglichen Lebens beeinflusst wird, sind Namen, wie wir sie kennen (Stephan, Lukas, Matthias..) ausgestorben. Stattdessen werden die Menschen mit Begriffen wie Bleich, Seide, Stein oder Stuhl benannt.
Kurz darauf wird eine weitere Schlüsselfigur, ein Junge namens Bleich, ins Feld gefühlt, den Zwei als Jagdpartner zugewiesen bekommt und der in der Gemeinschaft eher als Außenseiter angesehen wird. Denn Bleich ist anders als die Enklavenbewohner - er kommt von Oben.

Der Schreibstil der Geschichte erinnert an Zwei's Denkweise und Art: Simpel, ehrlich und direkt -, wodurch es einfacher wird, sie und ihre anfangs fremde Art zu Denken oder zu Handeln nachzuvollziehen. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen war ich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und verschlang die Geschichte von Bleich und Zwei an nur einem Tag, obwohl ich eigentlich an einem anderen Buch gelesen habe. Zwar ist die Romanidee, wie bereits gesagt, nichts neues, der Blickwinkel und die Ausgangssituation allerdings wiederum schon. Die Idee der Namensgebung durch für uns alltägliche Gegenstände, deren Nutzen den Untergrund-Völkern nicht immer noch bekannt war, fand ich sehr interessant. Zwar war es zu Beginn ungewohnt, bei dem Wort Zwei nicht an eine Zahl, sondern eben an die Protagonistin zu denken, gleichzeitig war man aber auch auf die Namen weiterer Personen gespannt.

Natürlich waren einige Handlungen vorhersehbar, andere dafür wiederum überhaupt nicht, sodass bis zum Ende ein hoher Spannungsbogen bleibt - zumindest für diejenigen, die von der Kurzbeschreibung nicht mehr als den ersten Satz gelesen haben. Das Ende hätte auch weiter abgerundet werden können, lässt so jedoch auf einen zweiten Teil der Geschichte hoffen und ist somit für mich nicht ganz so tragisch gewesen.
Die Kurzbeschreibung trifft also zu, nimmt dem Leser jedoch zu viele Infos vorweg und gerade die einleitende Zeile lässt eine schaurig-kitschige Romanze befürchten, welche jedoch - wie ich spoilern möchte - ausbleibt. Liebe ist in Die Enklave ein wirklich besonderer oder auch gesonderter Begriff und besonders Zwei weiß darunter nicht viel zu verstehen. Von daher finde ich diese Aussage wirklich nicht gelungen.
Alles in Allem allerdings eine wirklich schönes Werk, welches Lesern, die beispielsweise Tribute von Panem mochten, gefallen dürfte und sich in meinem Bücherregal einen Platz gesichert hat, da ich es bestimmt mehrfach lesen werde.

Wertung:
4 / 5: Spannende Geschichte mit interessanten Ansichten und Charakteren, leider viel zu schnell vorbei.

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